10 - Literatur der Romantik
Die Epoche der Romantik (ca. 1795–1835) ist eine der prägenden literarischen und kulturellen Bewegungen im deutschsprachigen Raum. Sie entstand als Gegenbewegung zur Rationalität der Aufklärung und der Nüchternheit der Klassik. Die Romantik betont Emotion, Fantasie, Naturverbundenheit und das Geheimnisvolle.
Gesellschaftlicher Kontext:
Die Französische Revolution (1789), die Napoleonischen Kriege und die aufkommende Industrialisierung beeinflussten die Romantik. Viele Autoren reagierten auf die Entfremdung des Menschen durch Technisierung und die entstehende Moderne. Romantische Lyrik betont Naturbilder, Sehnsucht und Gefühlsintensität. Beispiel: Joseph von Eichendorffs Gedichte wie Mondnacht.
Romantiker sammelten auch Märchen und schrieben eigene Geschichten (z. B. Gebrüder Grimm. Die Romantik hatte auch enge Verbindungen zur Musik (Franz Schubert) und zur bildenden Kunst (Caspar David Friedrich).
Leitmotive:
• Sehnsucht (Heimweh, Weltschmerz): Eine unstillbare Suche nach einem idealen Zustand oder einer transzendenten Welt.
• Wanderlust: Der Wanderer als Symbol für Suche, Freiheit und Selbstfindung.
• Natur: Mystische, romantisierte Darstellung der Natur als Spiegel der menschlichen Seele.
• Unendlichkeit: Streben nach Grenzenlosigkeit und das Aufbrechen klarer Ordnung.
• Volkskultur: Interesse an Märchen, Sagen und Liedern als Ausdruck einer ursprünglichen, „reinen“ Kultur.
Die Romantik liebte Gegensätze:
• Realität vs. Fantasie: Die reale Welt wird durch die Fantasie erweitert, oft überhöht.
• Tag vs. Nacht: Der Tag steht für Rationalität, die Nacht für das Unbewusste.
• Ego vs. Welt: Spannung zwischen der subjektiven Sicht des Individuums und der objektiven Realität.
Die Romantik beeinflusste die Literatur weit über ihre Epoche hinaus, etwa in der modernen Fantasy-Literatur. Die Romantik war eine vielseitige, kulturprägende Bewegung, die bis heute durch ihre Betonung von Emotion und Imagination relevant ist.
KD 6.
Literaturbuch. 156-159