Skriptum zur Deutsch-Matura

11 - Literatur des Sturm und Drang

Die Epoche des Sturm und Drang (ca. 1765–1785) ist eine bedeutende Phase der deutschsprachigen Literatur. Sie wird oft als Jugendbewegung verstanden, die sich gegen die rationalistische und normierende Haltung der Aufklärung auflehnt. Ihre Kernanliegen sind die Betonung von Individualität, Emotion, und Natur. Die Aufklärung hatte den Fokus auf Vernunft, Ordnung und universelle Gesetze gelegt. Die junge Generation der Sturm-und-Drang-Dichter rebellierte dagegen mit einem Bekenntnis zu Gefühlen, Freiheit und Originalität.

Der Begriff „Sturm und Drang“ stammt aus dem gleichnamigen Drama von Friedrich Maximilian Klinger (1776). Er wird zum Sammelbegriff für eine Epoche, die von jugendlicher Rebellion und schöpferischem Überschwang geprägt ist.

Erklärvideo zur Epoche

Merkmale der Epoche:

Geniekult: Die Idee des „Originalgenies“ steht im Zentrum. Ein Genie schafft Kunst aus sich selbst heraus, ohne sich an Regeln oder Traditionen zu orientieren. Beispiele: Goethe und Schiller verehrten William Shakespeare als Genie.

Subjektivität und Emotion: Gefühle und Leidenschaften dominieren das Denken und Handeln. Werke des Sturm und Drang stellen oft extreme Emotionen dar – Liebe, Hass, Zorn, Verzweiflung. Beispiel: Goethes Die Leiden des jungen Werthers schildert die zerstörerische Macht der Liebe.

Erklärvideo zum „Werther"

Freiheit und Rebellion: Sturm und Drang ist eine Epoche der Auflehnung gegen gesellschaftliche Zwänge, höfische Hierarchien, starre Regeln und autoritäre Strukturen.

Beispiel: Goethes Prometheus

ist ein typisches Werk des Sturm und Drang, da es die zentrale Idee des rebellischen, schöpferischen Individuums feiert, das sich gegen Autorität auflehnt. Die leidenschaftliche Sprache, die Betonung von Emotionen und der Geniekult machen die Ballade zu einem kraftvollen Ausdruck dieser Epoche. Sie verkörpert das Ideal des freien, selbstbestimmten Menschen, der seine eigene Welt erschafft:

Prometheus

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Literaturbuch. 99-115