Skriptum zur Deutsch-Matura

16 - Arthur Schnitzler - Literatur der Jahrhundertwende

Arthur Schnitzler (1862–1931) war ein österreichischer Schriftsteller, der zu den führenden Vertretern der „Wiener Moderne“ zählt. Seine Werke zeichnen sich durch eine psychologische Tiefe und eine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen aus. Schnitzler war ein Zeitgenosse Sigmund Freuds und ließ sich in seinen Erzähltechniken und Themen von der Psychoanalyse inspirieren, insbesondere in der Darstellung des Unbewussten und der inneren Konflikte seiner Figuren. Schnitzler war wie sein Vater als Arzt tätig, bevor er sich ganz der Literatur widmete. Er war Teil der intellektuellen und künstlerischen Szene Wiens, als Jude war er jedoch häufig antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Zudem wurde sein Werk wegen seiner Offenheit in der Darstellung von Sexualität und moralischen Dilemmata oft als skandalös empfunden.

Erklärvideo zur Literatur der Jahrhundertwende

Reigen (1900):

Zehn dialoglastige Szenen zeigen sexuelle Begegnungen zwischen verschiedenen Charakteren unterschiedlicher sozialer Schichten. Jede Figur erscheint in zwei aufeinanderfolgenden Szenen, wodurch ein „Reigen“ entsteht. Die Beziehungen basieren oft auf einem Ungleichgewicht von Macht, sei es durch Geschlecht, Klasse oder Alter. Der Text deckt die Heuchelei der bürgerlichen Sexualmoral auf. Die Begegnungen sind flüchtig und oft ohne tiefere emotionale Bindung. Aufgrund seiner expliziten Darstellung von Sexualität galt das Werk bei seiner Veröffentlichung als skandalös und wurde mehrfach zensiert. Erst 1920 wurde das Stück uraufgeführt, was zu einem öffentlichen Skandal führte.

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Leutnant Gustl (1900):

Die Novelle erzählt in Form eines inneren Monologs die Gedanken des jungen Leutnants Gustl, der in einer Nacht über sein Leben und seine Ehre nachdenkt, nachdem er durch einen Vorfall mit einem Bäckermeister vermeintlich entehrt wurde. Gustls Gedanken sind geprägt von den strikten Ehrbegriffen der österreichischen Armee, die ihn in einen existenziellen Konflikt stürzen. Gustl erscheint als oberflächlich, selbstzentriert und unfähig, sich aus den Zwängen seiner gesellschaftlichen Rolle zu befreien. Die Geschichte stellt die Fragilität des männlichen Selbstverständnisses im Kontext des Militärs und der Gesellschaft dar. Schnitzlers Verwendung des inneren Monologs war innovativ und ein Meilenstein der literarischen Moderne.

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Fräulein Else (1924):

Ebenfalls in Form eines inneren Monologs wird die Geschichte der jungen Else erzählt, die in einer prekären Situation gezwungen wird, sich einem reichen Mann nackt zu zeigen, um die Schulden ihrer Familie zu begleichen. Else wird von patriarchalen Zwängen und der Verantwortung gegenüber ihrer Familie erdrückt. Das Werk zeigt die Objektifizierung von Frauen und die moralischen Konflikte, die daraus entstehen. Else ist innerlich zerrissen zwischen ihrer moralischen Integrität und den Erwartungen ihrer Familie und der Gesellschaft. Die Handlung endet tragisch mit Elses Suizid. Das Werk wurde als präzise Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft und ihrer Behandlung von Frauen gefeiert.

Erklärvideo zu „Fräulein Else"

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KD 7/8. 130-134

Literaturbuch. 286-293