4 - Reden analysieren und interpretieren
Bei einer Redeanalyse (meist eine politische Rede) liegt der Fokus auf der Rhetorik und der Wirkungsabsicht. Du untersuchst nicht nur, was gesagt wird, sondern wie das Publikum manipuliert oder überzeugt werden soll.
1. Einleitung
Neben Autor, Titel und Thema sind hier zwei Punkte entscheidend:
- Anlass: Warum wurde die Rede gehalten? (z. B. Gedenktag, Parteitag, Krisensituation).
- Adressaten: Zu wem spricht der Redner? (Volk, Parlament, Gegner).
2. Hauptteil: Die Analyse-Ebenen
Gehe am besten schrittweise durch diese drei Bereiche:
Inhaltlicher Aufbau: Wie ist die Argumentation strukturiert? Gibt es eine klare Einleitung, eine Steigerung und einen Appell am Ende?
Rhetorik & Sprache: Hier suchst du nach Werkzeugen der Überzeugung:
Wir-Appelle: Um ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen.
Feindbilder: Wer wird als „die anderen“ ausgegrenzt?
Schlüsselbegriffe: Welche Wörter werden ständig wiederholt (z. B. „Freiheit“, „Zukunft“)?
Rhetorische Fragen: Um das Publikum scheinbar einzubinden.
Nonverbale Aspekte (falls Video/Audio vorliegt): Mimik, Gestik und Betonung.
3. Interpretation (Die Absicht)
Verknüpfe die sprachlichen Mittel mit der Funktion. Nutze dafür das Modell der drei Wirkungsweisen nach Aristoteles:
Logos (Logik) - Überzeugen durch Fakten und rationale Argumente.
Ethos (Autorität) - Überzeugen durch die Glaubwürdigkeit und den Charakter des Redners.
Pathos (Emotion) - Überzeugen durch das Wecken von Gefühlen (Angst, Hoffnung, Stolz).
4. Schluss
- Bewertung: War die Rede erfolgreich? Ist die Argumentation schlüssig oder manipulativ?
- Fazit: Was bleibt von der Rede hängen?
Ein Tipp: Achte auf den Satzbau. Kurze, parataktische Sätze wirken oft bestimmt und fordernd, während lange Schachtelsätze (Hypotaxen) eher komplex und erklärend sind.
** Typische Stilfiguren**
(Fachausdrücke sind besser als Umschreibungen):
- Akkumulation (=Aufzählung: Tisch, Stuhl, Löffel, Messer),
- Anapher (=gleicher Satzanfang: Wir …, wir …, wir …),
- Apostrophe (=Anrede: Sie, liebes Publikum; O Himmel!),
- Alliteration (=gleicher Anfangsbuchstabe: mit Haut und Haaren),
- Antithese (=Gegensatz: gut ist … böse ist …; Sonne und Mond),
- Ellipse (=Auslassen von Wörtern: je früher, desto besser),
- Euphemismus (=Beschönigung: er schlief friedlich ein),
- Hyperbel (=Übertreibung: blitzschnell; tausendmal),
- Hypotaxe (=ewig langer Satz),
- Ironie (=gegenteilig gemeint: toll gemacht!),
- Klimax (=Steigerung: kam, sah, siegte),
- Litotes (=doppelt verneint: nicht unschön),
- Metapher (=bildlich gemeint: das Herz brechen),
- Onomatopoesie (=Klangmalerei: der Bach rauscht, Tick Tick Tick machte die Uhr),
- Parenthese (=Satzeinschub: Fritzi – so nannten wir ihn eigentlich immer – kam wieder einmal zu spät),
- Personifikation (=ein Ding vermenschlichen: die Sonne lacht),
- rhetorische Frage (=Antwort ist schon enthalten: Soll das etwa die Lösung sein?),
- Symbol (Die Blume steht für die Vergänglichkeit der Schönheit),
- Vergleich (stark wie ein Löwe),
- …
KD 7/8. 8-25
Charlie Chaplins beste Rede (aus dem Film „Der große Diktator"