Skriptum zur Deutsch-Matura

6 - Grundgesetze der Kommunikation

Die Kommunikationstheorie beschreibt verschiedene Grundgesetze oder Modelle, die helfen, menschliche Interaktion und Missverständnisse zu verstehen.

Das Kommunikationsquadrat (Friedemann Schulz von Thun)

Jede Nachricht hat vier Seiten: Sachinhalt: Die reine Information. Selbstoffenbarung: Was der Sender über sich selbst preisgibt. Beziehung: Wie der Sender zum Empfänger steht. Appell: Was der Sender erreichen will. Bei Missverständnissen liegt oft ein Fokus auf unterschiedlichen „Ohren“: Der Empfänger hört eine andere Seite stärker heraus, als sie beabsichtigt war.

Paul Watzlawicks Axiome der Kommunikation

  1. Man kann nicht nicht kommunizieren. Auch Schweigen oder Körperhaltung sind Kommunikation.
  2. Jede Kommunikation hat eine Inhalts- und eine Beziehungsebene. Die Beziehungsebene beeinflusst, wie der Inhalt verstanden wird.
  3. Kommunikation ist Ursache und Wirkung. Jede Reaktion ist auch eine Aktion und beeinflusst die Folgekommunikation.
  4. Digitale und analoge Kommunikation. Sprache (digital) und Körpersprache/Tonfall (analog) können unterschiedlich interpretiert werden.
  5. Symmetrische vs. komplementäre Kommunikation. Kommunikation ist gleichberechtigt (symmetrisch) oder hierarchisch (komplementär).

Die Theorie der Doppeldeutigkeit (Ambiguität)

Missverständnisse entstehen oft, wenn ein Ausdruck mehrdeutig ist oder Kontext fehlt. Der Empfänger interpretiert die Botschaft anders, als sie gemeint war.

Sender-Empfänger-Modell

Kommunikation umfasst: Kodierung: Der Sender formt seine Gedanken in Worte oder Zeichen. Übertragung: Die Botschaft wird übermittelt (gesprochen, geschrieben, nonverbal). Dekodierung: Der Empfänger interpretiert die Botschaft basierend auf Kontext, Erfahrung und Emotionen. Missverständnisse entstehen durch fehlerhafte Kodierung, Übertragung oder Dekodierung.

Anwendung bei der Analyse eines Missverständnisses:

  1. Sachliche Analyse der Situation: Was wurde gesagt (Wortlaut)? Was wurde nonverbal ausgedrückt (Mimik, Gestik, Tonfall)?
  2. Kommunikationsquadrat anwenden: Welcher Aspekt (Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung, Appell) stand im Vordergrund? Hat der Sender seine Botschaft klar formuliert? Auf welchem „Ohr“ hat der Empfänger gehört?
  3. Watzlawicks Axiome überprüfen: Wie beeinflusst die Beziehungsebene das Verständnis der Botschaft? Gab es eine fehlende Übereinstimmung zwischen digitaler und analoger Kommunikation? Ist ein Teufelskreis entstanden (Aktion ↔ Reaktion)?
  4. Kontext klären: Gab es kulturelle oder sprachliche Missverständnisse? Wurde die Botschaft falsch kodiert oder dekodiert?
  5. Hypothesen zu den Ursachen des Missverständnisses aufstellen: Beispiel: Der Sender hat einen Appell geschickt, der Empfänger hat jedoch eine Beziehungsebene gehört und fühlte sich kritisiert.
  6. Strategien zur Lösung vorschlagen: Klärende Fragen stellen: „Wie hast du das gemeint?“ Bewusst auf die Beziehungsebene eingehen: „Mir ist wichtig, dass wir uns verstehen.“ Aktives Zuhören: Wiederholen, was man verstanden hat, um Missinterpretationen zu minimieren.

KD 6. 168-175

Beispiele:

Erklärvideos zu Kommunikationsmodellen